Montag, 31. März 2008

Overnext Part III

So langsam weiß ich wirklich nicht mehr, was ich denken soll.

Allem Anschein nach liest der Feind in diversen Foren mit. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass ich erst eine Antwort auf meine formelle Mail bekommen habe, nachdem ich mich in einem Forum darüber ausgelassen hatte. Anzumerken sei dabei noch, dass sich deren Antwort auf ein Ticket bezog, welches ich nie bekommen hatte. Zwischen den Zeilen scheine ich zu erkennen, dass sie zuerst nicht auf meine Mail reagieren wollten, es dann aber doch taten. Dass ich dazwischen aber weder eine Information noch eine Bestätigung erhalten hatte, finde ich doch etwas sehr dubios. Aber passt zum Auftreten dieses Unternehmens.

Dazu passend eine interessante Stelle aus diesem Antwortschreiben:
Sie brauchen es wirklich nicht mehr zu versuchen mit uns darüber rumzudiskutieren - wenn Sie freundlich nach Kulanz gefragt hätten wäre das etwas anderes, beispieslweise wenn es einen besonderen Umstand gab warum Sie nicht rechtzeitig gekündigt haben, aber so eskaliert der Inkassofall am 31.03.08 10:53 Uhr geht zum Anwalt, 10 Tage später Mahnbescheid, 4 Wochen später Vollstreckungsbescheid, 8 Wochen später Klageschrift, und ca. 12 Wochenspäter Versäumnisurteil oder Verhandlung - dann können Sie alles gerne noch einmal mit Ihrem Anwalt dem Gericht einreichen. Das Häkchen für den Klageweg nach erfolglosem Anwaltsinkasso habe ich jedenfalls schon gesetzt.
Eine kurze Rückblende. In naiver Voraussetzung hatte ich geglaubt, was mir in einer Werbemail von Overnext mitgeteilt wurde. Deswegen habe ich mich leider für einen kostenlosen Probeaccount angemeldet. Weder in der Werbung noch in den folgenden Bestätigungsmails war irgendetwas zu lesen von automatischen Verlängerungen oder irgendwelchen anfallenden Kosten.
Witzigerweise konnte ich mich nach meinem Reinschnuppern nicht mal direkt auf der Seite abmelden. So etwas wie einen Knopf zum Abmelden gibt es schlicht und einfach nicht. Darauf wurde auch in keiner Mail eingegangen.

Am 26.3. um 12:38 lief dieser Probeaccount aus, um 12:40 hatte ich die Rechnung in der Mailbox. Entdeckt habe ich dies dann am Abend, knapp vier Stunden später, woraufhin ich mich mit der Hotline und Support in Verbindung setzte und unter anderem auch nach einer kulanten Lösungsmöglichkeit fragte. Diese wurde aber abgetan, da die Buchung ja bereits erfolgte. Klar, wie hätte ich zwischen 12:38 und 12:40 auch nachfragen sollen. Oder anders gesagt, ich hätte entsprechend der Vorstellung von Overnext zwei Minuten Zeit gehabt, um nach Kulanz zu fragen? Wenn ich von diesen ominösen 120 Sekunden absehe bleibt immer noch der nette Verweis, ich hätte nach Kulanz fragen sollen, obwohl ich das gemacht habe! Ein weiterer dieser WTF-Effekte.

Auf die netten Drohungen gehe ich nicht ein, da dies doch für sich spricht. Einzig die arrogante Bemerkung, dass es zu einem Versäumnisurteil kommen werden, möchte ich ein wenig ins Rampenlicht rücken. Ansonsten hätte ich diesen Abschnitt wegen offesichtlicher Rechschreib- und Orthographiefehler als einen schlechten Witz abgetan. Leider ist es aber real.

Bis zum Erhalt dieser Mail war ich mir 100% sicher, dass ich im Rahmen der Anmeldung, in der Werbemail davor und den Mails danach nichts von irgendwelchen zusätzlich entstehenden Kosten gelesen und wahrgenommen habe. Der Mitarbeiter an der Hotline sagte mir sogar wortwörtlich: wir müssen sie nicht auf die Folgen einer automatischen Verlängerung aufmerksam machen, dafür sind sie selbst zuständig.

Entsprechend des mitgelieferten Links in der letzten Mail wunderte ich mich plötzlich und kam ins Stutzen. Wenn es nach diesem Screenshot geht, wurde ich darauf aufmerksam gemacht. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, sowas gelesen zu haben. Dient das nur der allgemeinen Verunsicherung oder war ich wirklich so blind? Bei der Anmeldung hatte ich extra auf solche Sachen geachtet, da ich mich nicht über den Tisch ziehen lassen wollte - entsprechend der vielen Usenet-Geschichte, die ich bereits gehört hatte. Und jetzt wird mir dieser Screenshot gezeigt.

Muss ich mir jetzt doch Sorgen machen? Ich hatte nie die Absicht, mich vertraglich an dieses Unternehmen zu binden. Hätte ich irgendwo gelesen, dass es nach Ablauf sofort zu einer Zahlung von 96€ kommt, hätte ich mir keinen Testaccount eingerichtet. Und jetzt wird mir quasi schwarz auf weiß präsentiert: ja, du hast davon gelesen. Ätsch, du bist zu doof und reingefallen. Gehen sie ruhig über Los, aber ihr Geld bekommen wir.

Hier der Screenshot, quasi in Worten wiedergegeben:
Ihr Testzugang ist 14 Tage lang bis zum 26.03.2008 12:38 Uhr kostenlos.
Möchten Sie den Zugang danach nicht weiter nutzen müssen Sie bis zu diesem
Zeitpunkt den Zugang per E-Mail abmelden/kündigen: Schreiben Sie an
abmelden[at]de.overnext.c*m - Sie erhalten innerhalb weniger Minuten eine
automatische Empfangsbestätigung, die Kündigung wird dann innerhalb weniger
Stunden vollzogen. Zu Ihrer Sicherheit findet keine automatische Verlängerung statt wenn das Download-Volumen verbraucht ist.

Wenn Sie während der Testphase ein Paket kaufen wird der Testzugang in den
neuen Tarif umgestuft. Sollten Sie kein anderes Paket kaufen und nicht
kündigen genießen Sie die Vorzüge des Testzugangs weiter und zwar für den
Preis von nur 7,95 EUR pro Monat ein Jahr lang mit einem monatlichen
Download-Volumen von jeweils 15 Gigabyte. Sie können jedoch jederzeit auch in einen anderen Tarif wechseln oder vorzeitig kündigen.

Tja. Der Preis ist in einem Fließtext versteckt, der aus mehreren Sätzen besteht. Im Gegensatz zu einigen unwichtigen Textpassagen ist der Preis und der Hinweis auf die Verlängerung nach Ablauf der Frist nicht hervorgehoben. Es gibt verschiedene Gerichtsurteile, nach denen dies nicht zulässig sei. Allerdings bräuchte ich wohl die Hilfe eines Anwalts, um hier tiefer in die Thematik einzudringen. Prinzip Hoffnung? Oder doch nur der Strohhalm?

Auf dem gulli:board bin ich noch über eine andere Sache gestolpert, bzw über vier Punkte, die relevant sein könnten, auch wenn man sich bereits irgendwo angemeldet hat. Dementsprechend würde es immer noch keinen Grund geben, irgendetwas zu zahlen.
1. Bedeutet eine Bestätigung nicht automatisch, dass man die versteckten Kosten gefunden hat.
2. greift noch der Aspekt "Sittenwidrigkeit wegen Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung".
3. wird man nicht ausreichend über seine Rechte und auch über die Kosten aufgeklärt. Von daher keine Panik, wenn ihr eine Kündigung geschrieben habt.
4. Man kann die Zahlungsaufforderung wegen Irrtums anfechten (BGB §119)
Durch diese kleine Auflistung kommt wieder Hoffnung auf, obwohl ich als juristischer Laie im Moment nach jedem Strohhalm greifen werde, ob berechtig oder nicht. Zum Glück gibt es zu diesen vier Punkten aber auch die professionelle Meinung von Verbraucherschutzjurist Ronny Jahn:
Sollte dies der Fall sein, bleibt noch immer die Anfechtung nach § 119 Abs. 1 BGB wegen eines Irrtums. Wenn man davon ausgeht, dass objektiv mit der Anmeldung eine Vertragserklärung für ein kostenpflichtige Angebot abgegeben, der Nutzer dies jedoch nicht wollte, so kann er seine Erklärung wegen dieses Irrtums anfechten. Dies muss allerdings unverzüglich nach nach Kenntnisnahme vom Anfechtungsgrund erfolgen. Entscheidend ist hierbei der Moment man erfährt, dass mit der Anmeldung gleichzeitig ein kostenpflichtiger Vertrag abgeschlossen wurde.

Mangels Schutzbedürfnis haben die Seitenbetreiber in aller Regel auch keinen Schadensersatzanspruch nach § 122 BGB, da sie häufig den Irrtum veranlasst haben. Sie nehmen bewusst in Kauf, dass potentielle Kunden die möglichen Kosten übersehen. Hierfür spricht oft auch die Tatsache, dass die Zahlungsaufforderung erst nach der vermeintlichen Widerspruchsfrist verschickt wird und vorher ein entsprechender Hinweis per E-Mail nicht erfolgt.
Wie geht es jetzt weiter? Gute Frage. Kopf in den Sand stecken ist nicht erlaubt. Vielmehr sollte ich mich mit dem Verbraucherschutz in Verbindung setzen. Das könnte und sollte eine hilfreiche Alternative zum Einzelkämpferlehrgang sein.

To be continued...

Freitag, 28. März 2008

Overnext Part II

Erstaunlicherweise habe ich keinerlei Antwort und Reaktion auf meine formelle Mail vom Support bekommen. Natürlich sollte mich das nicht verwundern, da ich bedingt durch die zweifelhafte Seriösität von Overnext mit nichts anderem gerechnet hatte.

Wie erwartet hingegen haben sie direkt einen Tag nach der Rechnungserstellung versucht, das Geld vom Konto abzubuchen. Leider ein erfolgloses Unterfangen, woraufhin aber prompt eine neue Mail in meinem Briefkasten landete.

Bevor ich mir jetzt aber den Mund verbrenne, lese ich lieber ausführlich über die einzelnen Punkte nach, die mir spanisch erscheinen. Trotzdem hier Auszüge aus besagter Mail:

Diese E-Mail wird Ihnen täglich, bis 3 Tage seit der ersten Mitteilung verstrichen sind, an Sie versendet. 3 Tage verbleibend.

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Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dieser E-Mail möchten wir Sie darüber in Kenntnis setzen, dass ein oder mehrere Lastschriften von Ihrem angegebenen Konto fehlgeschlagen sind. Sie befinden sich ab dem Tag der durch die Bank ermittelten Rückbelastung mit Ihrer Zahlung in Verzug. Sie können den offenen Betrag innerhalb der oben festgesetzten Frist in Ihrem Kundenkonto über weitere Zahlungsmöglichkeiten wie PayPal, der paysafecard, Online-Überweisung oder Kreditkarte ausgleichen.
Nachdem die Frist abgelaufen ist wird Ihr Fall automatisiert unserem externen Inkassodienstleister übergeben - wir machen Sie hiermit darauf aufmerksam, dass die Beauftragung des externen Dienstleisters unmittelbar nach der angegebenen Frist erfolgt und Sie danach zur Entrichtung weiterer gesetzlich vorgeschriebener Gebühren verpflichtet sind. Sollten Sie bereits bzgl. einer Fristverlängerung mit unserer Kundenbetreuung in Kontakt sein wird diese Frist automatisch verlängert - andernfalls bitten wir um umgehende Benachrichtigung falls Sie den offenen Betrag nicht innerhalb der festgesetzten Frist begleichen können.

Sixpack?

Nein, ich bin nicht auf die tolle Idee gekommen, mir in sechs Wochen ein Sixpack anzutrainieren. Kann mir auch nicht wirklich vorstellen, wie das mit meiner Fettschicht aufm Bauch möglich sein sollte. Muskeln antrainieren ja, gerne. Aber bis die auch zu sehen sind? Dementsprechend geht es eh erstmal weiterhin in erster Linie ums Abnehmen. Was danach kommt...

Auch wenn ich den direkten Vorsatz des Sixpacks nicht habe, so bin ich doch eifrig am Lesen und recherchieren über das Thema. Und dabei ist mir einiges aufgefallen.
Klar ist, dass ich nicht irgendwelche Mittelchen benutzen will um abzunehmen, genausowenig werde ich mich zu Tode hungern. Irgendwelche ungesunden FDH- und sonstige Diäten habe ich bereits ausprobiert. Da diese aber immer nur in chronischer schlechter Laune endeten, bleibe ich definitiv bei meiner sportlichen Methode: mehr Kalorien zu verbrauchen, als ich zu mir nehme. Das mag nicht die schnellste Methode sein, aber ich fühle mich wohl dabei. Natürlich beinhaltet das Geheimnis vom sagenumwobenen Waschbrettbauch mehr, als nur das obligatorische Fett weg.

Offensichtlich hatte ich bis jetzt eine falsche Vorstellung von richtigem Bauchmuskeltraining. Mehr ist anscheinend doch nicht immer mehr. Vor allem nicht, wenn es um Muskeln geht. Also erstmal weg mit dem Gedanken 5x 50 Crunches jeden Tag machen zu wollen. Wäre wohl eh zu anstrengend ;)

Was ich gelernt habe: der Muskel wächst nicht durch das Training, sondern danach im Schlaf, während er sich ausruht. Diese Ruhezeit sollte übrigens 48 Stunden betragen. Die Muskeln bekommen durch das Training einen Reiz zum Wachsen. Dieser Reiz stellt sich bereits bei 12 bis fünfzehn Wiederholungen ein. Mehr ist nicht nötig. Bei einer zu langen Belastung kann es z.B. vorkommen, dass der Bauch schon lange nicht mehr mitmacht und überlastet ist, die Arbeit aber von Hüften und Beinen und dem dazugehörigen Schwung übernommen wird. Damit ist der eigentliche Sinn des Bauchmuskeltrainings natürlich nicht mehr erfüllt. Sätze sollte man je nach Trainingsstand zwei bis drei machen, auf keinen Fall fünf oder mehr. Insgesamt scheinen zwei bis dreimal die Woche Bauchmuskeltraining passend zu sein. Oder andersrum gedacht: wenn ich ihn jeden Tag trainiere, wann hätte der Bauch, äh, die Muskeln Zeit zu wachsen?

Aber weiter im Text. Jede Übung sollte möglichst langsam und konzentriert ausgeführt werden. Da es um die Bauchmuskeln geht, muss der Fokus auch auf diesen legen. D.h. nicht die Helfer Schwung/Hüfte/Beine mitarbeiten lassen. Die Atmung sollte dieses Vorgehen unterstützen, ebenfalls langsam und kontrolliert sein - kein Luftanhalten und ähnliches.

Ok, jetzt weiß ich etwas über die Hintergründe und die Art und Weise. Aber welche der vielen Bauchmuskelübungen taugen denn jetzt etwas für mich?
Herausgefunden habe ich, dass Übungen wie liegendes Bein- und/oder Hüftheben effektiver sind, da sie den Bauch intensiver reizen als die klassischen Crunches, die jeder kennt. Aber warum bitte sehe ich dann die Leute im Fernsehen immer nur Crunches machen? Zu lesen ist auch fast überall: Crunches - die Königin der Bauchübungen!

Als angehender Lehrer scheinen mir hier gewisse pädagogische Gründe mitzuspielen. Durch diese klassischen Crunches trainiert man die kleinen Abschnitte ganz oben am Bauch, die dementsprechend als erstes zu sehen sind. Quasi bietet diese Übung den direkten Einstieg hin zum schnellen Erfolgserlebnis. Und was motiviert am besten? Klar, der Erfolg. Damit lassen sich die Leute bei der Stange halten und machen weiter. Typisches Lehrerdenken ;)
Wenn ich einige medizinische Texte richtig verstanden habe, sind die klassischen Crunches sehr rückenschonend und gelten dementsprechend als gesund. Wohl auch ein Punkt, der für die Beliebtheit spricht.


Mein persönliches Fazit (bis jetzt) zum Thema Bauchmuskeln:
Zehn Minuten effektives Training reichen, zuviel ist nicht fördernd, auf die Muskeln konzentrieren. Drei verschiedene Übungen à maximal 20 Wiederholungen bei zwei bis drei Sätzen, zwei bis drei Mal die Woche. Dabei auf saubere Ausführung und Technik achten.
Weiter abnehmen. Aber bevor ich kein Sixpack habe, brauche ich keinen Gedanken daran verschwenden, dieses mit mehr Wiederholungen auszudefinieren ;)

Donnerstag, 27. März 2008

Motivation fürs Abnehmen?

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder mit Laufen angefangen.

Warum? Abnehmen, fitter werden, gute Vorsätze... die ganze Palette. Gebracht hat es aber nie wirklich etwas. Klar, vor meiner Hochzeit habe ich 15 Kilo abgenommen, und Joggen war ein nicht unwesentlicher Bestandteil. Allerdings habe ich es sofort wieder bleiben lassen, nachdem mein Ziel erreicht war (einigermaßen gut aussehen bei der Hochzeit). Die Pfunde sind daraufhin natürlich zurückgekehrt, auf magische Art und Weise. Oder sollte ich es die "Versuchung der Süßigkeiten" nennen? Wie dem auch sei, regelmäßiges Laufen habe ich nie länger durchgezogen als vier bis acht Wochen. Irgendwann siegte immer der Schweinehund und die Faulheit.

Im Januar kam dann eine Verabredung zum Bolzen. Damit ich nicht wie der erste Mensch hechelnd über den Platz stolpere, dachte ich mir: geh vorher laufen, damit du dich nicht total blamierst. Also habe ich mich überwunden und bin gut gegen das winterliche Wetter gerüstet in den Wald - mit einem stolzen Gefühl! Allerdings kam das Schwitzen in erster Linie von zu dicker Kleidung, an der Bewegung konnte es nicht gelegen haben. Wenn ich mich richtig erinnere, schaffte ich fast drei Minuten am Stück (oder doch nur zwei?), bevor ich eine eine Minute Pause brauchte (oder zwei?). Über zwanzig Minuten habe ich insgesamt durchgehalten. Sehr beeindruckend, nicht wahr?
Zwei Tage später schleppte ich mich wie ein Toter über den Fußballplatz und bin mehrere Male über den Ball gestolpert. Mir tat noch alles weh vom Laufen. Es ging einfach nix, noch weniger als nichts. Durchgängigster Gedanke: bin eben doch ein geborener Standfußballer, der auf die Couch gehört.

Jetzt würde ich gerne sagen, das war der Auslöser. Allerdings stimmt das nicht so wirklich, vielmehr ist das nur eine Wahrheit unter vielen. Mir war klar, ich wollte nicht wieder wie der letzte Trottel über den Ball stolpern, das war kein erträglicher Zustand. Aber auf die Schnelle ändern? Das klappt doch eh nicht. Was also machen? Ohne Zeit dafür aufzuwenden oder mich anzustrengen? Geht das überhaupt? Ja, ich bin ein hoffnungslos fauler Kerl. Aber von nix kommt nix! Grummel. Doofes Prinzip.

Zufälligerweise hörte ich mit WoW auf, mal wieder. Eigentlich war es kein Zufall, sondern vielmehr der langsame Abschied auf Raten, der endlich eingetreten war. Sagen wir einfach es war die finale Einsicht. Aber darum geht es hier nicht. Plötzlich hatte ich Zeit. Sehr viel Zeit. Zu viel Zeit.

Bestimmt kennt jeder das Gefühl, total ausgehungert zu sein. Die Gier nach Essen treibt einem plötzlich in längst vergessene (oder verdrängte?) Situationen.
So ging es mir. Ich interessierte mich wieder für meine Umwelt und begann alles aufzusaugen, was um mich herum passierte. Mit Freunden treffen, reden, Beziehungen pflegen, alles was anstand. Sogar lernen, auch wenn das hätte mehr sein können. Von nichts habe ich genug bekommen. Zu Hause fiel mir regelmäßig die Decke auf den Kopf. Erstaunlicherweise bin ich sogar wieder gerne regelmäßig und zuverlässig in die PH und habe das Wissen aufgesaugt wie ein Schwamm in der Hoffnung, dass es sich recht schnell in Bildung umwandeln wird. Mein Hirn dürstete es nach Bildung und hochtrabenden Gesprächen, nicht mehr nach belanglosem inhaltsarmen Internettalk. Meine ersten eigenen Stunden in der Schule waren ein Geschenk zum richtigen Zeitpunkt, auch wenn da nicht alles immer nach Plan verlief.
Was ich damit sagen und verdeutlichen will: ich fühlte mich wieder lebending. Aber unzufrieden mit mir und meinem Körper. So deutlich hatte ich die Jahre davor nicht in mich hineingehört. Mein Tagesablauf drehte sich ab sofort nur um rauskommen und Bewegung. Wenn möglich kombiniert, Sport an der frischen Luft.

In dieser Anfangsphase habe ich es dann maßlos übertrieben. Jeden Tag wollte ich etwas machen: Laufen, Fahrrad fahren, Fußball spielen, Kraftübungen, einfach alles. Abwechslung muss ja schließlich sein! Regeneration? Für was? Habe mich doch jahrelang ausgeruht.
Selbstverständlich meldete sich mein Körper recht schnell. Knapp zwei Wochen Dauerbelastung nach jahrelangem faulen Rumsitzen ist diplomatisch ausgedrückt eher der Hardcore-Einstieg. Erstaunlicherweise habe ich es aber durchgehalten. Mit einem Willen, den ich schon vergessen hatte, habe ich mich immer wieder überwunden.
Ein Tag bleibt mir dabei ganz fest im Gedächtnis: noch nie hatte ich es geschafft, mit dem Fahrrad am Stück einen ganz bestimmten Berg zu einer ganz bestimmten Quelle hochzufahren. Auch in besserer Form hatte es nie geklappt, da ich aus Bequemlichkeit vorzeitig umgedreht oder eine Pause eingelegt hatte. Aber an diesem Tag bin ich gemütlich losgefahren, ohne festes Ziel. Als ich dann mehr aus Jux den Weg eingeschlagen habe und es leicht bergauf ging, habe ich mir gesagt: da fahre ich jetzt hoch. Und es hat tatsächlich funktioniert! Ohne viel nachzudenken, lamentieren oder Selbstmitleid habe ich mich überwunden. Danach fühlte ich mich so gut wie seit einem gefühlten Leben nicht mehr. Die Belohnung verlange auch ihren Preis: ich war so am Ende, dass ich quasi zwei Tage lang durchgeschlafen habe.

Nach knapp zwei Wochen hatte ich diesen einen Punkt überwunden, an dem ich zuvor jahrelang geknabbert hatte, der mir immer wieder zum Verhängnis wurde. Der Punkt, an dem der innere Schweinehund immer und immer wieder gewonnen hatte. Die Sau, äh, der Hund.

Mit der Einsicht, dass Ruhetage und Regeneration doch wichtig sind, ging es weiter. Das Laufen funktionierte von Mal zu Mal besser, da sich ein spürbarer Erfolg einstellte. Längere Zeiten wurden erträglich und machbar, das Tempo steigerte sich in den einzelnen Intervallen. Durch das erfolgreiche Gefühl enstand eine Art motivierender Selbstläufer. Wenn es an einem Tag mal nicht gut lief, egal, dann ging es ein bissele langsamer voran und das nächste Mal wieder schneller. Und wenn ich mal nicht die angepeilte Zeit durchgehalten habe, war mir das auch egal. Hauptsache ich hatte das Gefühl, etwas gemacht zu haben.
Nach knapp sechs Wochen konnte ich locker 30 Minuten durchlaufen, ohne danach ein Sauerstoffzelt zu brauchen. Dieses Ziel hatte ich mir davor jahrelang immer wieder gesetzt und nie erreicht. 30 Minuten am Stück laufen. Und jetzt hatte ich es einfach so nebenbei geschafft, ohne detailierte und ausführliche Planungen. Allerdings hielt und halte ich mich nicht mit dem Erreichen dieses Ziels auf. Vielmehr hatte sich schon seit längerem ein neuer Wunsch herausgebildet: wieder Fußball spielen.
Damit ich es mir aber zutraue, bei einem Verein im Training vorbeizuschauen, will ich vorher sicherstellen, dass ich dort meinen eigenen Ansprüchen gerecht werde. In anderen Worten, ich will mit ausreichend Grundausdauer und Ballgefühl ausgerüstet dort auftauchen. Dafür arbeite ich jetzt. Auf keinen Fall werde ich irgendwohin gehen, um als letzter hinterherzurennen oder keinen klaren geraden Ball spielen zu können. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg...

Nebenbei achte ich zusätzlich wieder verstärkt auf meine Ernährung und muss sagen, abnehmen funktioniert auch ohne Punkte zählen und 60%-Überwindungsläufen. Süßigkeiten sind fast komplett unter den Tisch gefallen und der Obstkonsum nimmt überhand - was ich deutlich an meinem Stoffwechsel feststellen kann. Fertiggerichte sind inzwischen die große Ausnahme, vielmehr ist wieder Kochen angesagt. Selbst kochen und experimentierfreudig sein macht Spaß, auch etwas, das ich lange verdrängt hatte.
Trotz des dekadenten und verschlemmten Osterwochenendes im Kreise der Familie sind die Pfunde gepurzelt. Zuerst war ich erstaunt darüber, jetzt ist es ein weiterer Ansporn. Der eingeschlagene Weg und die Art und Weise wie ich ihn entlangjogge scheinen zu stimmen.
Jetzt sollte ich es nur noch schaffen, mein Trinken umzustellen weg von Pepsi Light hin zu Wasser. Aber das wäre wohl schon fast zu perfekt.

Was hat also letztendlich den Ausschlag gegeben? Zuviel Zeit, der Wunsch nach Beschäftigung, die Einsicht wie wichtig Sport ist und der Wunsch wieder zu leben. Wer braucht von außen auferlegte Motivationsspritzen, wenn man es selbst in der Hand hat sich besser zu fühlen?